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Ditzum: Sehens- und Wissenswertes



Zum Fischerdorf Ditzum gehören Dit.-warpen, Ditz.-hammrich, Siedlung Pogumer Str., Siedlung hinter der Molkerei und Siedlung Hoher Weg mit 662 Einw. auf 10,39 km2 (früheres Gemeindegebiet).

 

Sielstraße

Siel: Ditzum wurde im 8. Jh. an einem natürlichen Entwässerungspriel gegründet. Nach dem Deichbau (ab 1000) wurde der Bau eines Siels erforderlich. Der erste überlieferte Sielbau (Holz) erfolgte 1546. Im Jahre 1752 wurde das erste massive Sielbauwerk mit einer Breite von 6,30 m erbaut. Das heutige Siel entstand 1890/91 mit einer Breite von über 7 m. Das Sieltief als Transportweg ermöglichte die Ansiedlung von Ziegeleien (seit etwa 1500) und Sägemühle.

2) Hier wohnte in einem Vorgängerbau Kirchtumbauer Martin Schmidt; im jetzigen Haus waren später Landjäger u. Polizei.

9) Apotheke: Sandsteintafel im neuen Giebel der Kreis- und Stadtsparkasse. Eröffnung einer Apotheke 1849 als Filiale der Jemgumer Apotheke. Von 1864 bis 1961 Vollapotheke.

10) Hof van der Wall. Inschrift (ganz oben): H. T. B. Wappen Brass T. J. W., erbaut um 1710. Links außen: H. B. von der Wall 18 / rechts: 33 R. J. Homfeld. Heute Ferienhof Wiebesiek.

11) heutiges Arzthaus: 1817 von Hugo Humbert erbaut, ein Sohn des Bürgermeisters Louis Henri Humbert zu La Capelle in Frankreich. Er starb 1856 in Ditzum und besaß zwei Ziegeleien. Das Haus wurde 1985 renoviert.

21) Vor der Jahrhundertwende Gastwirtschaft und Kolonialwarengeschäft Smid. 1910 kaufte Kaufmann Wiards das Haus. Heute Textilgeschäft Freerksen.

35) Post: 1870 erhielt Ditzum eine Postexpedition, 1871 eine Postagentur, die von Apotheker Scheuch (gest. 1881) geleitet wurde. Seit etwa 1900 steht die Post an dieser Stelle.

40) Haus Pommer: Schmiedeeiserner Schmuckanker 184(9). In dem Haus wohnten im Laufe des letzten Jahrhunderts ein Bäcker, ein Kaufmann und ein Schiffer.

 

Kirchstraße

Gegenüber der Einmündung der Pfefferstraße in die Kirchstraße stand ein großes Haus mit mehreren Wohnungen, das 1953 abgebrochen wurde (Eigentum der Deichacht).

2) Geschäft Hantschel. Ab ca. 1900 Bäcker Peter Brouer, dann Lebensmittel- und Gemischtwarenladen von Kaufmann Hermann Klaver. Hier gab es, wie noch an der Giebelwand zum Hafen ablesbar, „Schiffsproviant“ zu kaufen. Sehenswert ist die alte Ladeneinrichtung.

4) linkes Haus: Altes Fährhaus: früher „Zum Hafen“ genannt; rechtes Haus: Inschrift „LÜBBE TIDDEN TIDDENS – HEEPKE ISEMIS TRIENTJE LUBBEN TIDDENS – TIDDE LUBBEN TID-DENS – 1814. Beide Gebäude nutzte früher der Gastwirt und Friseur Hooten.

6/8) VeGe-Laden: 6) Seit dem letzten Jahrhundert ist hier ein Kaufmannsladen nachweisbar. Im Zuge der Dorferneuerung wurde der Vordergiebel renoviert. 8) Giebel mit eisernem Schmuckanker 1832; auch dieses Gebäude ist seit dem letzten Jahrhundert ein Kaufmannsladen.

10) In diesem Haus besteht seit 1898 ein Fischereibetrieb.

16) Alte Schule: Das Haus wurde im 18. Jh. erbaut und 1877 um 3 m verlängert. Am Hinterende reicht der Schulhof bis zum Klostergang (Turnreck und Barren). Bis 1913 (Neubau Molkereistr. 23) war das Haus als Schule in Gebrauch. 1984 erneuert.

18) Ehemalige Lehrerwohnung: 1817 erbaut; 1837 erweitert. Wahrscheinlich Geburtshaus von Hermann Tempel (29.11.1889), dessen Vater hier 1877-1892 Hauptlehrer war. Der jetzige Besitzer, Herr Steen, führt als Küster der Kirche und Kenner der Ortsgeschichte interessierte Gruppen durch die Kirche. Er war 20 Jahre Müllermeister in der Mühle. Neben dem Haus stehen von ihm selbst erbaute Mühlenmodelle.

 

Am Hafen

Bültjer-Werft: 1929 erbaut. Seither mehrfach erweitert und modernisiert. Spezialwerft für Holzschiffe.

Fähre: Seit dem Mittelalter ist hier ein Fährbetrieb nachweisbar, der fast zwei Jahrhunderte bis zum Bau der Dampffähre 1897 mit der Familie de Boer verbunden war. Das heutige Fahrzeug wurde 1926 als Dampffähre erbaut und 1953 mit einem Dieselmotor versehen.

Granatdarre. 1919 erbaut. Zur Trocknung des Beifangs (Gammel) für Futterzwecke. Mehrfach erweitert und umgebaut.

 

Pfefferstraße

1) Inschrift: J. J. Bruhns, G. J. Bruhns, geb. Holthuis, 1926

2) Das alte Haus, das wie viele im Ort oben am Giebel über eine Luke verfügt, diente im Bereich des Hafens je nach Besitzer als Lagerstätte für Waren und Fischerutensilien.

4) „Witte Hus“. 1905-1914 Arztpraxis von Dr. Pannenborg; bis 1980 Wohnhaus von Bürgermeister Peter Visser. Ditzum war bis zur Gebietsreform 1972/73 eine selbständige Gemeinde.

5) ehemaliges Fischerhaus. Die Netze wurden mit einer noch vorhandenen Vorrichtung auf den Dachboden gebracht.

8) Etwas zurückliegendes Haus: diente früher als Rentamt und Receptur der Ostfriesischen Sparkasse (Deichrentmeister Terveer).

13) Altes Fischerhaus. Hier lebte Anna Bruhns, geb. Huisken, zu deren Ehren (104 Jahre alt) 1926 von der Fischerfamilie Bruhns eine Glocke gestiftet wurde (siehe Kirchturm). Sie starb am 26.10.1926. Links hinterm Haus befand sich eine Einrichtung zum Netze„looien“ (Imprägnierung aus Eichenrinde und Katechu (Akaziengerbextrakt)).

15) Bäckerei Brouer. Bäckerei mit jahrhundertalter Tradition. Seit 1987 nicht mehr in Betrieb. Hermann Brouer, Obermeister der Bäckerinnung und Organist, ist ein Kenner der Ditzumer Vergangenheit.

 

Hofstraße

1/3) „Oll Apteek“. 1911 erbaut. Der Name scheint die Funktion des Vorgängergebäudes anzudeuten. Den heutigen Ditzumern ist eine Apotheke an dieser Stelle nicht bekannt. Hinterm Haus: Fischergerät und funktionsfähiger „Looikessel“.

6) früher altes Fischerhaus. Giebelinschrift. PHV AJB 1883 (Peter Hinderks Visser, Aaltje Janssen Bruhns)

16) früher befand sich in dem kleinen Gebäude eine „Flora-Drogerie“. Eiserner Schmuckanker CP MH 1872 (Carl Prins, Moetje Huisken)

18) früher Stellmacherei Bültjer. Söhne erbauten die Werft

34) niedriges altes Handwerkerhaus

36) Arbeiterhaus

Gegenüber der Mühle bzw. „Villa Mansholt“ stand die ehemalige Ditzumer Burg. Sie gehörte 1463 Gerd von Petkum. Um 1794 wurden hier Hausreste aus dem Boden geholt.

Pogumer Straße

2) Villa Mansholt: 1910 von Jan Mansholt erbaut. Zeugnis der um die Jahrhundertwende blühenden Ziegeleiindustrie.

Ferienhaussiedlung (Baubeginn 1987). 1898 wurde hier von J. Mansholt eine Ringofenziegelei gebaut. Noch nach dem Krieg führten zum Abtransport mit Loren Schienen bis zum Hafen. Der Betrieb wurde 1977 eingestellt und das Werk abgebrochen.

Molkereistraße

Hinter dem neuen Feuerwehrhaus (erb. 1988) lag die Ziegelei von Eliese v. d. Wall. 1901 wurde sie zu einer Ringofenziegelei umgebaut. Als Umschlageplatz gab es eine Schiffsanlegestelle am Tief. 1953 übernahm Gerh. Elko Reins, Jemgum, das Werk. 1980 wurde es stillgelegt, anschließend abgebrochen. Nur das Wohnhaus des Brennmeisters ist noch vorhanden.

23) Schule: Inschrift: „Der Schulvorstand / Pastor Mansholt Vorsitz / H. Mansholt Gemeindevst. / H. van der Wall Rendant / Lehrer J. Holthuis. A. Duit / R. Janssen. B. Bruhns / Erbaut 1913 von J. Braa“. Anbau 1950. Heute Grundschule.

13) Molkerei. Die Molkereigenossenschaft Niederrheiderland wurde 1893 gegründet, die Molkerei als erste im Rheiderland 1894 eröffnet. 1894-1908 Verwalter Kronsfelde; 1909-1950 Betriebsleiter Barnbeck, 1950-1980 Betriebsleiter Heinr. Heyen; 1980-1985 Betriebsleiter Heinr. Heyen jr. Nach der Stilllegung 1985 wird das Haus heute für die Fischerei genutzt.

Halle von „Auto Fischer“. An dieser Stelle stand früher ein Arbei-terwohnhaus, das „Rittersburg“ genannt wurde.

 

Hoher Weg

2) 1864 als Armenhaus erbaut; es diente auch als Gefängnis. Der jetzige Besitzer baute um das alte Haus ein neues herum. Sportplatz von ca. 1950.

 

Klostergang

Von lat. „claustrum“ = abgeschlossener Raum. Hier: Arbeiterwohnhäuser. Hier liegen Gärten, trockneten die Fischer ihre Netze und wohnten die ärmeren Leute des Ortes.

 

Mühlenstraße

Mühle: 1769 als Galerieholländer erbaut. Nachfolgebau von 1807 brannte 1882 ab. Heutige Mühle von 1883. 1900 kaufte David Okken Steen das Anwesen (1914 modernisiert, 1943 abgebrannt). Der als Motormühle wieder in Betrieb genommene Stumpf brannte 1945 durch Beschuss wieder ab und wurde nach Kriegsende nochmals als Motormühle in Gebrauch genommen. Siehe auch Müllermeister Steen (Kirchstr. 18).

2) (alte Hausnummer 20) Altes Bäckerhaus. Schmiedeeiserner Schmuckanker: RJ FB (Rolf Jansen, Frauke Bruhns).

6) Ehemalige Schmiede. Hier arbeitete Abel Duit, der 1913 für eine Abschneide-Tafel für Ziegelsteine einen Ehrenpreis gewann. 1912 verbesserte er das Läutwerk des Kirchturms. Eine Person konnte nun beide Glocken zugleich läuten (geringere Läutkos-ten). Heute Ortsvorsteher Duin.

Kirche: Größe 24,40 m x 10,30 m x 6,40 m. Romanische Back-steinkirche aus dem frühen 13. Jh.; rom. Grabsteinplatten aus rotem und grauem Sandstein (11./12. Jh.); Barockkanzel von 1684; Abendmahltisch von 1660; Kronleuchter (1803/04); Orgel von 1965 (Prof. C. Schuke, Berlin).

Grabplatten in der Kirche: Bildnisgrabstein aus dem 12. Jh. (neben der Kanzel); Pastor Gerlich Wirtken (gest. 1554), Poppe Wilcken (gest. 1660), Hans Homfeld (gest. 1721), Pastor Hitjer (gest. 1739), Pastor Stuivinga (gest. 1790), Pastor Stroman (gest. 1869), Pastor Begemann (gest. 1834), Pastor Nicolai (gest. 1803), Pastor Nicolai (gest. 1603), Senske Smith, Frau von Pas-tor Cramer (gest. 1717).

Kirchturm: 1846 von Martin Schmidt erbaut, der auch die Kirch-türme von Jemgum (1846), Hatzum (1850), Bunde und Charlot-tenpolder errichtete. Marienglocke 1479 von Barthold Klinghe gegossen: „ Maria ik hete, Geerd von Petkum un de van Ditzum hebben mi laten ghete“. Der alte Turm stand im Bereich des jetzigen und maß 9,40 m x 7,50 m. 1926 Concordia- u. Anna Bruhns-Glocke gegossen, 1942 eingeschmolzen. 1959 stiftete die Familie Bruhns eine neue Glocke mit der Inschrift: „ORA ET LABORA GOTT MIT UNS – IN EHRFURCHT VOR DEN VÄTERN UND MÜTTERN – DIE KINDER BRUHNS – ANNO 1959“

Pfarrhaus. Erste Hälfte des 16. Jh. erbaut. Anbau von 1953

Verantwortl. für den Inhalt: H. W. u. D. Steen, G. Kronswelde